Trockensommer 2018, 2019, 2020 – Innovation aus Israel als Abhilfe?

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Trockene Sommer, verlängerte Vegetationsperioden und leidende Ökosysteme: Klimabedingte Veränderungen sind bei weitem kein abstraktes Problem ferner Länder mehr. Auch in Deutschland sind die Folgen des Klimawandels immer stärker zu spüren.

Durch die weltweiten Proteste der Fridays for Future Bewegung wurde auch in Deutschland das Thema Klima- und Umweltschutz regelrecht an die Spitze der Agenda katapultiert. Seitdem jedoch die Corona-Krise das bestimmende Thema geworden ist, scheint der Umwelt- und Klimaschutz in der öffentlichen Debatte wieder in den Hintergrund gerückt zu sein. Die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels jedoch bleiben. Nach den Dürresommern 2018 und 2019 schaut Deutschland womöglich zum dritten Mal in Folge einer gravierenden Trockenperiode entgegen. Rekordtemperaturen gepaart mit extremer Dürre stellen unsere Landwirtschaft und unser Ressourcenmanagement vor neue Herausforderungen. 

Für Israels Landwirte ist das Thema Trockenheit hingegen keinesfalls ein neues Thema. Das aride Klima des Nahen Ostens bringt eine natürliche Trockenheit mit sich. Allein rund 60% der israelischen Landesfläche sind von der Negev Wüste bedeckt. Somit ist das kleine Land schon seit Staatsgründung dazu gezwungen, innovative und nachhaltige Methoden in der Wasser- und Agrarwirtschaft zu entwickeln. Hinzu kommt, dass auch Israel seit mehreren Jahren unter extremen Dürreperioden leidet. Laut Prognosen der Klimaforscher könnte dies in der Region wohl auch zum Normalfall werden, da der Nahe Osten perspektivisch besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein wird.  

Aufgrund der für die Region typischen Wasserknappheit hat Israel in der Vergangenheit vor allem in den systematischen Ausbau der Trinkwasserproduktion investiert. So hat es das Land geschafft, mitunter knapp 70% des benötigten Trinkwasserbedarf durch sechs hochentwickelte Entsalzungsanlagen abzudecken. Da etwa die Hälfte des nationalen Wasservorkommens allein für den Landwirtschaftssektor benötigt wird, hat sich Israel außerdem auf die effiziente Nutzung und Wiederaufbereitung von Wasserressourcen spezialisiert.

Während die in den 1950er Jahren in Israel entwickelte Tröpfchenbewässerung vorerst nur in trockenen Ländern zum Einsatz kam, findet sie inzwischen auch in Europa großflächig Verwendung. Fast noch beeindruckender ist jedoch Israels Fortschritt bei der Wiederverwendung von Wasserressourcen: Durch sekundäres, zum Teil sogar tertiäres Wasserrecyling können in Israel rund 90% der Wasserressourcen für den landwirtschaftlichen und industriellen Gebrauch wiederverwendet werden.

Gleichzeitig wird weiter daran geforscht, die landwirtschaftliche Produktion ertragreicher und zugleich ressourcenschonender zu machen. Auch hier hat die Startup Nation eine Vielzahl von Unternehmen hervorgebracht, die sich explizit mit Fragestellungen im Agrar- und Wassertechnologie-Bereich beschäftigen. Start-Up Nation Central, Sprachrohr der israelischen Startup-Szene und Partner von ELNET, zählt über 650 innovative Startups im Bereich AgriFoodTech.

Eins davon ist Tal-Ya Agricultural Solutions, ein junges Startup mit dem Ziel, die landwirtschaftliche Produktion nachhaltiger und widerstandsfähiger zu machen. Im Gespräch mit ELNET erklärte CEO Oded Distel, wie das von Tal-Ya speziell entwickelte Mitra-System funktioniert: Das System aus Polypropelyne deckt das Wurzelsystem der Pflanze ab, leitet Wasser und Dünger direkt zur Wurzel weiter und schützt gleichzeitig die Erde um die Wurzel herum vor Unkraut und extremen Temperaturen. Dadurch erhöht es die Widerstandskraft und den Ertrag der Pflanze, spart durch die optimale Nutzung von Regenwasser und Tau rund 50% Wasser und minimiert den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden um 30%. 

Das Mitra-System – entwickelt von Tal-Ya

Insgesamt gibt es viele Ansätze im Kontext von Umwelt- und Klimaschutz, die sowohl für Deutschland als auch für Israel weiterführend einsetzbar wären. Während Israel bei der Entwicklung innovativer Methoden und Technologien für eine bessere Ressourcennutzung zweifelsohne die Nase vorn hat, liegt Deutschland beim Ausbau von Erneuerbaren Energien weit vor Israel. Weniger als vier Prozent der gesamten Stromerzeugung kommt in Israel von Erneuerbaren Energien, der Großteil wird weiterhin durch fossile Brennstoffe wir Erdgas und Diesel erzeugt.

Dabei braucht Israel gerade jene saubere Energie, um seine Wasserversorgung zu sichern, denn die Entsalzungsanlagen an Israels Küste sind nicht nur teuer, sondern vor allem auch energieintensiv: Für die Herstellung eines Kubikmeters Wasser werden mitunter 3,5 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das entspricht dem Verbrauch eines Kühlschranks in einer Woche. Ein größerer Einsatz von Photovoltaik scheint vielversprechend. Dabei bringt der israelische Startup-Sektor auch innovative Ideen für den Energiesektor hervor, von denen Israel, wie auch andere Länder noch stärker profitieren könnten. 

Ein intensiver Austausch über innovative und nachhaltige Methoden im Klima- und Umweltsektor ist demnach von gemeinsamen Interesse. Vor diesem Hintergrund setzt sich ELNET dafür ein, neue Dialogplattformen zu schaffen, um den wechselseitigen Austausch und Wissenstransfer zwischen beiden Ländern zu fördern. So findet im Oktober eine umwelt- und agrarpolitische Reise mit Bundestagsabgeordneten und Experten nach Israel statt. Darüber hinaus sind virtuelle Fachgespräche sowie eine eigene Konferenz für das kommende Jahr in Planung.

Bei Fragen oder Interesse an diesen oder anderen Israel-bezogenen Themen steht unser Büro gerne als Ansprechpartner zur Verfügung. Aktuelle Informationen zu unseren Initiativen und Einladungen zu unseren Veranstaltungen gibt es über unseren Newsletter.