Erster ESDI Roundtable zur Drohnenabwehr

Kleine Drohnen (small unmanned aircraft system, sUAS) sind längst kein sicherheitspolitisches Nischenthema mehr. Ihre günstige, oft kommerziell verfügbare Technologie und ihre einfache Modifizierbarkeit machen sie sowohl für staatliche als auch nichtstaatliche Akteure attraktiv. Während Israel bereits seit den 2000er-Jahren praktische Erfahrungen mit feindlichen Drohnen sammeln musste, hat sich das Problembewusstsein in Deutschland und Europa vor allem seit dem russischen Angriff auf die Ukraine deutlich verschärft. Während des Besuchs des deutschen Bundesinnenministers in Israel im Januar 2026 vereinbarten beide Länder, die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zu verstärken, einschließlich einer intensivierten Kooperation bei Fähigkeiten zur Drohnenabwehr (counter-UAS, C-UAS).

Diese Zusammenarbeit stand auch im Mittelpunkt des ersten virtuellen deutsch-israelischen Roundtables, der am 20. Januar 2026 im Rahmen der ELNET Security & Defense Initiative (ESDI) stattfand. ELNET brachte hochrangige Expertinnen und Experten aus Politik, Ministerien, Forschung und Industrie zusammen, um die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu erörtern, die sich für Deutschland und Israel durch sUAS ergeben, und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln. Diskussionsgrundlage war dabei auch das ESDI Policy Briefing Defending Against the Small Drone Revolution: German-Israeli Perspectives on New Security Frontiers.

Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit einer engen zivil-militärischen Koordinierung bei der Drohnenabwehr im zivilen Raum, da fragmentierte Zuständigkeiten und langsame Informationsflüsse effektives Handeln erschweren. Gemeinsame Lagebilder, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Übungen seien entscheidend, um Bedrohungen wirksam und verhältnismäßig zu neutralisieren. Zugleich wurde ein modernes Management des niedrigen Luftraums (Low Altitude Airspace) gefordert, das durch Registrierung, digitale Identifizierung und Echtzeit-Verfolgung Transparenz schafft und legitime von schädlichen Drohnen unterscheidet. Zentrale Bedeutung hat zudem die Interoperabilität: Sensoren, Effektoren und Führungsstrukturen müssen als integriertes System zusammenwirken, da es keine einzelne technologische „Silver Bullet“ gibt. Angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen braucht es darüber hinaus agile Innovations- und Beschaffungsprozesse mit schnellem Testen und kontinuierlicher Anpassung. Schließlich wurde ein German–Israeli Defense Tech Hub empfohlen, um operative Erfahrung und technologische Stärke zu bündeln, Innovation zu beschleunigen und die ausgeprägte bestehende bilaterale Verteidigungskooperation, die ELNET auch im Policy Briefing Die deutsch-israelische Verteidigungskooperation: Eine Bestandsaufnahme analysiert, im Drohnenzeitalter strategisch zu vertiefen.