Europäisches Meinungsbild gegenüber Israel gibt Anlass zur Sorge

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print
Share on email

Die Wahrnehmung Europas unter israelischen Bürgern ist durchaus positiv. Ganz anders dagegen ist es um das Israel-Bild europäischer Bürger bestellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine jüngst von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie. Lediglich jeder fünfte Europäer gab hierbei an, ein positives Bild von Israel zu haben. Umgekehrt äußerten sich 61% der Israelis positiv über Europa. 

Die Ergebnisse der Studie stimmen nachdenklich. Offenbar bestehen in Europa weiterhin eklatante Zerrbilder über den jüdischen Staat Israel. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass Israel in den europäischen Medien hauptsächlich im Kontext des Nahostkonflikts dargestellt wird. Eine vielfältige und ausgewogene Berichterstattung über das gesellschaftliche Leben findet dagegen viel zu selten Platz in der medialen Berichterstattung.

Bedenklich erscheint insbesondere die große Zahl von deutschen Umfrageteilnehmern, die einen Schlussstrich unter die Vergangenheit setzen möchten. Lediglich noch eine knappe Hälfte (55 Prozent) der Befragten ist hierzulande der Meinung, dass Europa aufgrund des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Juden eine besondere Verantwortung für das jüdische Volk trage. In Bezug auf den Staat Israel liegt der Wert mit 40 Prozent sogar noch niedriger. Zudem vertreten über die Hälfte der deutschen Befragten die Meinung, dass der Judenverfolgung 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges weniger öffentliche Aufmerksamkeit zukommen solle.

Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zur aktuellen „Israel Umfrage“ unter Abgeordneten des Deutschen Bundestages und der Landtage, die ELNET Deutschland Anfang des Jahres veröffentlichte. Hier gaben 99% der politischen Entscheider an, dass die deutsch-israelischen Beziehungen einen besonderen Stellenwert für Deutschland hätten. Die aus der deutschen Geschichte erwachsene besondere Verantwortung Deutschlands war dabei der am häufigsten genannte Grund.   

Die Bertelsmann Studie zeigt außerdem, dass es eine positive Korrelation zwischen persönlichem Umgang und der Einstellung zwischen Judentum und Israel gibt. Aus deutscher Sicht ist auffällig, dass jüdisches Leben in Deutschland anscheinend kaum wahrgenommen wird. So geben nur 11% der Befragten an, häufiger persönlichen Kontakt zu Juden zu haben. Vor dem Hintergrund des geringen Anteils der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ist dies nicht besonders überraschend. Interessant ist dennoch, dass in Ländern mit noch kleinerer jüdischer Bevölkerung wie Italien die Begegnungen mit jüdischem Leben als deutlich häufiger eingeschätzt werden. Entsprechend positiver sind die Einstellungen gegenüber jüdischem Leben und Israel. 

Die Bertelsmann-Studie zeigt einmal mehr, welch wichtige Rolle der gesellschaftliche Austausch zwischen Juden und Nichtjuden für die Bekämpfung von Antisemitismus spielt. Auch vor diesem Hintergrund sind ELNET die Förderung der öffentlichen Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Deutschland ebenso wie der enge Austausch mit Israel wichtige Anliegen. Für die deutsche Politik sind die Ergebnisse der Studie derweil ein eindeutiger Handlungsauftrag. Die hohe Zahl von Menschen, die für einen Bruch mit unserer Erinnerungskultur plädieren, zeigt doch, dass es nicht ausreicht, sich in Sonntagsreden gegen Antisemitismus zu positionieren.