Yad Vashem macht München und Leipzig zu erstem Standort außerhalb Israels

Eine Nachricht mit historischer Dimension: Israels Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem eröffnet erstmals eine Außenstelle außerhalb Israels – und zwar in Deutschland. München wird der Hauptstandort des neuen Bildungszentrums, Leipzig seine Nebenstelle.

Für die Holocaust-Bildung in Deutschland ist die Entscheidung ein bedeutendes Signal, für Bayern und Sachsen eine besondere Anerkennung.

Was ist Yad Vashem?

Yad Vashem ist die nationale Holocaust-Gedenkstätte Israels. Sie wurde 1953 per Gesetz der Knesset gegründet und hat ihren Sitz in Jerusalem auf dem Har Hazikaron, dem Berg des Gedenkens.

Heute gilt Yad Vashem weltweit als eine der wichtigsten Institutionen für Holocaust-Dokumentation, -Forschung und -Bildung. Zum Komplex gehören Museen, Forschungs- und Schulungszentren, Denkmäler und Gedenkorte. Besonders bekannt ist die Zentrale Datenbank der Holocaust-Opfernamen, in der inzwischen mehr als 4,8 Millionen Menschen dokumentiert sind.

Kurz gesagt: Yad Vashem bewahrt Erinnerung und sorgt dafür, dass aus ihr Bildung wird. Genau daran knüpft das neue Bildungszentrum in Deutschland an.

Wie kam es zu der Entscheidung?

Die Idee, Yad Vashem auch nach Deutschland zu bringen, entstand 2023 bei einem Gespräch zwischen dem Yad-Vashem-Vorsitzenden Dani Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz.

Seitdem hat das Vorhaben deutlich an Fahrt aufgenommen – politisch auf Bundesebene, aber auch durch starke Unterstützung in den Ländern. Im September 2025 kündigte Yad Vashem das Projekt offiziell an. Nun stehen die Details fest: München wird Hauptstandort, Leipzig ergänzt das Projekt als Außenstelle. Das neue Bildungsangebot soll in den kommenden Jahren aufgebaut werden.

Kai Diekmann, Vorsitzender des Freundeskreises Yad Vashem in Deutschland, betont, wie sehr die Entscheidung das tiefe Vertrauen zwischen Yad Vashem und Deutschland widerspiegelt und dass sie auf einer langjährigen Zusammenarbeit aufbaut.

Was das Zentrum leisten soll

Das neue Bildungszentrum wird keine Gedenkstätte im klassischen Sinne. Es soll vor allem ein Ort des Lernens, der Vermittlung und der Fortbildung werden.

Im Mittelpunkt stehen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, also Lehrkräfte, Dozentinnen und Dozenten, Bildungsakteure und Menschen, die ihr Wissen weitergeben. Sie sollen gestärkt werden, um historisch fundierte Holocaust-Bildung in Schulen, Hochschulen und Gesellschaft zu tragen.

Der Zeitpunkt könnte kaum wichtiger sein. Relativierung, Instrumentalisierung und Leugnung des Holocausts nehmen weltweit zu. Antisemitismus ist lauter und sichtbarer geworden. Gleichzeitig wird die Generation der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen immer kleiner. Umso dringender braucht es neue, innovative Formen der Erinnerung.

München ist dabei mehr als ein gut erreichbarer Standort. Die Stadt hat als Geburtsstätte der NSDAP eine tiefe historische und symbolische Bedeutung. Dass das Zentrum im ehemaligen Parteiviertel entstehen soll, unterstreicht diese Verantwortung.

Leipzig als wichtiger Bildungsstandort

Dass auch Leipzig ausgewählt wurde, ist ein starkes Zeichen für Sachsen. Die geplante Außenstelle soll interaktive Lernräume schaffen und Pädagoginnen und Pädagogen aus der Region sowie aus den Nachbarländern Polen und Tschechien erreichen.

Damit wird Leipzig Teil eines Bildungsnetzwerks, das über Stadt- und Landesgrenzen hinauswirkt. Gerade in einer Zeit, in der historische Bildung neu gedacht werden muss, ist das von großer Bedeutung.

Passend dazu rückt Sachsen mit Tacheles 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen jüdisches Leben, jüdische Geschichte und jüdische Gegenwart in den Mittelpunkt. Auch ELNET knüpft hier mit der Fragemauer für Sachsen an: Die Bildungs- und Dialogkampagne sammelt Fragen zu jüdischem Leben, Israel und Antisemitismus – offen, niedrigschwellig und direkt. Für Tacheles 2026 werden dabei gezielt jüdisch-sächsische Fragen gesucht.

Genau darin liegt eine wichtige Verbindung: Yad Vashem stärkt die Holocaust-Bildung. Die Fragemauer öffnet Räume für Fragen, Austausch und Verständigung. Beides gehört zusammen, wenn Erinnerung nicht abstrakt bleiben, sondern Menschen wirklich erreichen soll.

„Eine Anerkennung unserer Arbeit in Sachsen“

Auch Dr. Nora Pester, Sprecherin von Tacheles 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen und Mitglied im Beirat von ELNET, würdigt die Entscheidung:

„Wir gratulieren dem Hauptstandort München zu seiner erfolgreichen Bewerbung und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit. Dass auch Leipzig mit einer Nebenstelle des neuen Yad-Vashem-Bildungszentrums in Deutschland ausgewählt wurde, werten wir als Anerkennung unserer engagierten Arbeit im Freistaat Sachsen und danken für das damit entgegengebrachte Vertrauen.“

Pester bringt damit auf den Punkt, was diese Entscheidung für Sachsen bedeutet: Sie ist Auszeichnung und Auftrag zugleich – Auszeichnung für das Engagement, das es bereits gibt, und Auftrag, jüdisches Leben, Erinnerungskultur und Bildungsarbeit weiter sichtbar zu machen.