Fragemauer trifft Sachsen: Mit Fragen gegen Antisemitismus

Fragen stellen, Wissen teilen, Vorurteile abbauen: Die ELNET-Bildungskampagne Fragemauer ist gestern in Sachsen gestartet. Vorgestellt wurde sie in der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden im Rahmen von „Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“. Das landesweite Themenjahr wird vom Freistaat Sachsen unter Federführung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus getragen.

Schon der Ort machte deutlich, worum es bei der Fragemauer geht: um offenen Austausch. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch unterstrich zum Auftakt, dass der Kulturpalast als „Wohnzimmer Dresdens“ genau der richtige Ort sei, um auch komplexe Themen zu besprechen.

Die Fragemauer lädt Bürgerinnen und Bürger ein, anonym Fragen zu jüdischem Leben und Israel zu stellen und fundierte, verständliche Antworten zu erhalten. So wird Wissen zu einem Mittel gegen Vorurteile und Desinformation.

Ministerpräsident Michael Kretschmer setzte mit seiner Teilnahme ein klares Zeichen für jüdisches Leben in Sachsen. Er betonte: „Es ist wichtiger denn je, Haltung zu zeigen und aktiv gegen Antisemitismus einzutreten.“ Viele Vorurteile entstünden dort, wo Wissen und persönliche Begegnungen fehlen. Deshalb seien Austausch, Bildung und kulturelle Teilhabe von zentraler Bedeutung.

Wie gut die Fragemauer zum Tacheles-Themenjahr passt, machte Dr. Nora Pester, Sprecherin von Tacheles und Beiratsmitglied von ELNET, deutlich. Meinungsbildung brauche Bildung – und genau dafür stehe die Fragemauer: Sie ermutige Menschen, nachzufragen, statt in eigenen Echokammern zu verharren.

Carsten Ovens, CEO von ELNET in Berlin, stellte die Kampagne und die neuen Sachsen-Motive vor. Sein Appell: Gerade angesichts von wachsendem Judenhass und israelbezogenem Antisemitismus braucht es Formate, die niedrigschwellig wirken und Menschen ins Gespräch bringen. Hier setzt die Fragemauer an: verständlich, zugänglich und mit Humor.

Die eigens für Sachsen entwickelten Motive „Wer oder was ist Tacheles?“, „Sächseln Juden eigentlich auch?“ und „Ist die Eierschecke koscher?“ greifen bewusst alltägliche und regionale Bezüge auf. Sie wecken Neugier und schaffen dort Gesprächsanlässe, wo sich Menschen im Alltag begegnen.

Dass die Fragemauer in ganz Sachsen sichtbar wird, ist den zahlreichen Kooperationspartnern aus Zivilgesellschaft, Kommunen, Sport, Kultur und Wirtschaft zu verdanken. Ihre breite Beteiligung zeigt den starken gesellschaftlichen Rückhalt der Initiative und macht deutlich, wie viele Verantwortung übernehmen und sich gegen Antisemitismus engagieren.

Exemplarisch dafür sprach Christian Friedrich, Vorstand von BSG Chemie Leipzig, einem Verein, der bereits mit einem ELNET Award für seinen Einsatz ausgezeichnet wurde. Er unterstrich, warum Engagement vor Ort zählt: „Wir nehmen es nicht hin, wenn das Wort ‚Jude‘ zum Schimpfwort verkommt und Menschen sich nicht mehr trauen, es in den Mund zu nehmen.“

Aktuell beteiligen sich bereits über 20 regionale Partner aus ganz Sachsen. In den kommenden Wochen sowie in einer zweiten Phase im Herbst werden die Motive der Fragemauer auf Litfaßsäulen und Großflächenplakaten, auf Postkarten in Bildungseinrichtungen, bei Sportveranstaltungen sowie in ausgewählten Kinos zu sehen sein. Dazu kommen Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften sowie bei einigen Verkehrsgesellschaften. 

Gerade in Zeiten, in denen antisemitische Vorfälle spürbar zunehmen, zählen Begegnung und Haltung. Die Fragemauer stärkt Dialog, Bildung und ein respektvolles Miteinander – in Sachsen und darüber hinaus.