NewSpace for German Israeli Cooperation

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Die rasante Entwicklung der privaten NewSpace-Industrie, vor allem in den Vereinigten Staaten, und die immer weiter steigende Anzahl der damit verbundenen Anwendungen auf der Erde, rückt den Weltraum immer stärker in den Fokus von Politik und Wirtschaft. Die Weltraumindustrie ist bereits seit Jahrzehnten einer der effektivsten Innovationstreiber für viele andere Bereiche wie beispielsweise die Material- und Klimaforschung, die Nutzung regenerativer Energien und die Entwicklung von Akkumulatoren. Sie tendiert von Natur aus dazu, den Status quo zu hinterfragen und neue Lösungen für neue Herausforderungen zu finden.

Die internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich kann bedeutende Synergien schaffen. Kooperationen im Weltraum wecken aber auch Begeisterung und bieten eine exzellente Gelegenheit, die zwischenstaatlichen Beziehungen zu vertiefen und Vertrauen zu stärken. Israel, Weltraumnation seit 1988, hat seine außerordentlichen Fähigkeiten in diesem Bereich bereits ausreichend bewiesen. Insbesondere beim Bau kompakter und leichter Satelliten hat das Land aufgrund geografischer und geopolitischer Bedingungen besondere Kompetenzen aufbauen können.

Zur Förderung dieser Zusammenarbeit organisierten ELNET Deutschland und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) das erste German Israeli Space Forum, das am 2. Juni 2021 virtuell stattfand. Die einführenden Statements gaben Thomas Jarzombek MdB, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt und Beauftragter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) für die Digitale Wirtschaft und Start-ups, sowie Prof. Isaac Ben-Israel, Vorsitzender der Israeli Space Agency und des Israel National Council for Research and Development. Anschließend wurden Möglichkeiten der Kooperation und die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung im NewSpace-Sektor auf zwei hochkarätig besetzten Panels diskutiert.

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Allgemein herrschte Konsens, dass die Zusammenarbeit zwischen der Industrienation Deutschland und der Startup Nation Israel auch im Weltraum immense Potenziale bietet. Während Israel dazu tendiert, Risiken nicht unnötig hoch zu bewerten und Chancen schnell zu ergreifen, besitzt Deutschland die industrielle Kapazität hochkomplexe technische Lösungen zügig umzusetzen und skalieren zu können und bietet ideale Kooperationsmöglichkeiten für NewSpace-Unternehmen und Unternehmen aus anderen Industriebranchen. 

Das Thema Finanzierung war im Verlauf der gesamten Diskussion von großer Relevanz. Hohe Investitionskosten bei gleichzeitig hohem Risiko bilden eine große Eintrittshürde für junge Unternehmen. Zwar zeigt der präsentierte „NewSpace Industry Report Germany 2020“ einen immensen Anstieg privater Investitionen, staatliche Aufträge bleiben für ein florierendes NewSpace-Ökosystem jedoch unabdingbar.

Junge Unternehmen in diesem Bereich können aber auch durch die Bereitstellung von technischer und wissenschaftlicher Infrastruktur unterstützt werden. Israel ist durch die Aktivitäten der Israel Innovation Authority auch im Bereich NewSpace beispielgebend. Im Rahmen der gemeinsamen Nutzung staatlicher Einrichtungen können junge Unternehmen sich vernetzen und so weitere Synergien entfalten. Es wurde festgestellt, dass es in Deutschland vor allem mehr und flexiblerer Finanzierungsmöglichkeiten bedarf, die wesentlich zugänglicher gestaltet werden sollten.

Der Austausch zwischen staatlichen Stellen und Unternehmen muss ebenfalls erleichtert werden, um neue Ideen schneller und besser implementieren zu können. Vor allem die anwendungsorientierte Weltraumindustrie hat ein immenses Potenzial, das beispielsweise mit staatlichen Ankeraufträgen erschlossen werden sollte. Regierungen sollten primär Services bei NewSpace-Unternehmen einkaufen, anstatt Technologien zu fördern. Die Nutzung von Satellitendaten zur Bewältigung von großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimawandel, aber auch alltäglichen Herausforderungen, würde den Menschen den konkreten Nutzen staatlicher Weltraum-Investitionen aufzeigen und so deren Akzeptanz steigern.

Die internationale Kooperation stellt einen weiteren wichtigen Kanal für zusätzliche Finanzierung im Weltraumbereich dar. Gemeinsame Missionen wie zum Beispiel die Entwicklung und der Betrieb eines gemeinsamen Forschungssatelliten würden Unternehmen eine gute und, durch die teilweise geteilten Kosten und Risiken, günstige Gelegenheit bieten, ihre Technologien anzuwenden und zu testen. Auch die in Planung befindliche Startplattform für kleine Trägerraketen in der deutsche Nordsee bietet die Chance einer gemeinsamen Nutzung, z.B. durch israelische Hersteller von Trägerraketen. Ein beiderseitiges Interesse wurde bereits während der Veranstaltung deutlich. Eine gemeinsame deutsch-israelische Mondmission wäre eine zusätzliche Gelegenheit, die von Unternehmen wie OHB aus Bremen und Israel Aerospace Industries bereits vorangetrieben wird. Die staatliche Ebene sollte hier nachziehen und offiziell eine gemeinsame Mission initiieren.

Die Tatsache, dass Prof. Ben-Israel seinen Impulsvortrag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hielt, wo er gerade Gespräche über ein gemeinsames israelisch-arabisches Mondprogramm führt, zeigt, dass Israel aktiv nach Partnern sucht. Israels Plan, gleich zwei Lander zum Mond zu bringen, bietet einen ausgezeichneten Rahmen, um gemeinsam neue und innovative Lösungen zu entwickeln und auszuprobieren. Eine Unterstützung durch die European Space Agency (ESA) wäre wünschenswert. Dies könnte sogar den ersten Schritt zu einer Vollmitgliedschaft Israels in der ESA sein.

Bei internationalen Kooperationen ebenso wie bei der Entwicklung neuer Anwendungen sind private Akteure auf einen klaren gesetzlichen Rahmen angewiesen. Diese Rahmenbedingungen sollten Unternehmen dazu ermutigen, aufeinander zuzugehen und gemeinsame Projekte umzusetzen. Der Vorschlag der EU-Kommission, Israel bei den Themen Weltraum und Quantencomputing vom Horizon Europe Forschungsprogramm auszuschließen, läuft dem entgegen und sollte daher korrigiert werden. Die deutsche Bundesregierung sowie weitere europäische Länder haben sich bereits klar für eine vollständige Inkludierung Israels ausgesprochen.