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Forschungskooperation unter Druck: Parlamentarisches Frühstück mit Danny Chamovitz

Wissenschaft kennt keine Grenzen. Dies klingt selbstverständlich. Doch für Israel, das beim Grad akademischer Freiheit über der Schweiz oder den Niederlanden rangiert, gilt das längst nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund lud ELNET Mitte Juni gemeinsam mit den Friends of Ben-Gurion University zu einem Parlamentarischen Frühstück im Deutschen Bundestag ein. Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Reza Asghari MdB referierte Prof. Daniel „Danny“ Chamovitz, Präsident der Ben-Gurion-Universität des Negev (BGU) und Vorsitzender der Association of University Heads in Israel (VERA), über die Lage der deutsch-israelischen Forschungskooperation.

Dabei ist die BGU kein gewöhnlicher Gesprächspartner. In der Wüste gegründet, zählt sie heute zu den am schnellsten wachsenden Universitäten Israels, ist Motor für Startups und Heimat von Innovationslaboren internationaler Konzerne, darunter der Deutschen Telekom.

Wenn Austausch ausbleibt

Zwei Zahlen des Frühstücks bleiben im Gedächtnis. 75 Angehörige der Ben-Gurion-Universität wurden beim Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 getötet. Die Zahl der Erasmus-Studenten an der BGU sank im vergangenen Jahr auf Null – vor dem Angriff waren es hunderte. Israelische Studenten werden an europäischen Partneruniversitäten immer häufiger abgelehnt und sind von einer Teilnahme am Erasmus-Programm der Europäischen Union damit weitgehend ausgeschlossen. Viele Institutionen beendeten zudem ihre Zusammenarbeit mit israelischen Fakultäten. Chamovitz beschrieb dies als ein Paradebeispiel für einen passiven Boykott: rechtlich kaum angreifbar, in der Wirkung eindeutig.

Wissenschaftsfreiheit höher als in vielen anderen Ländern

Israel rangiert laut dem Academic Freedom Index beim Grad akademischer Freiheit über der Schweiz oder den Niederlanden. Chamovitz distanzierte sich dabei ausdrücklich von politischen Versuchen, auf diese Freiheit Einfluss zu nehmen. Das ist ein klares Signal, das in der Diskussion nicht verloren gehen darf: Die Universitäten sind nicht die Politik.

Genau das macht den Rückzug europäischer Partner so schwer nachvollziehbar. Der Boykott trifft nicht die Politik, sondern die Wissenschaft – nicht die Entscheidungsträger in Jerusalem, sondern Forscher in Beʾer Scheva, Haifa oder Tel Aviv. Chamovitz machte deutlich, dass ein solcher Boykott aus seiner Sicht nicht die Position einer Regierung verändern würde, sondern vielmehr Orte des liberalen und friedlichen Austauschs bestraft.

Beteiligung an Horizon halbiert

Besonders dramatisch ist die Entwicklung im EU-Rahmenprogramm Horizon Europe. Der Anteil israelischer Partner an unterzeichneten Projekten halbierte sich von 5,4 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt 2,5 Prozent. Dabei war Israel lange Nettobeitragszahler des Forschungsprogramms. Der Boykottdruck geht über Förderformate hinaus: Israelische Forscher berichten von einer massiven Zunahme sogenannter Desk Rejects, also Ablehnungen von israelischen Beiträgen in Fachzeitschriften und Konferenzen vor einer inhaltlichen Begutachtung. Die Sozialwissenschaften sind besonders betroffen.

Das Vakuum, das der Rückzug europäischer Partner hinterlässt, füllen andere. Die VAE, Indien und Singapur bemühen sich gezielt, die entstehenden Lücken zu schließen. Europa verliert damit Zugang zu einem der innovativsten Wissenschaftssysteme der Welt. Die Folgen wären fatal, wenn der Trend nicht umgekehrt wird.  

Akademische Kooperation als Auftrag

Professor Chamovitz und die Friends of BGU werden ihren Einsatz gegen die Diskriminierung israelischer Studenten fortsetzen und können dabei auf die Unterstützung von ELNET zählen. Akademische Kooperation ist kein diplomatisches Beiwerk, sondern ein eigenständiger, nachhaltiger Wert. Wer israelische Forscher aus europäischen Programmen drängt, beschädigt das Fundament offener Gesellschaften, auf dem eine gemeinsame Zukunft gebaut wird.

Dass diese Grundlage mehrheitsfähig ist, zeigt auch der Israel Survey, für den zwischen 2022 und 2025 insgesamt 1.061 europäische Parlamentarier aus 35 Ländern befragt wurden. 75 Prozent der Abgeordneten sprechen sich für eine Stärkung der Zusammenarbeit mit Israel aus. Die Kooperation in Wissenschaft und Bildung verfügt dabei parteiübergreifend über den stabilsten Konsens. Jetzt kommt es darauf an, dass aus Zustimmung Handeln wird.

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