Website-Icon European Leadership Network (ELNET)

Israel Survey 2025: Präsentation im Deutschen Bundestag

In Zeiten geopolitischer Verwerfungen ist eine datenbasierte Bestandsaufnahme der europäisch-israelischen Beziehungen wichtiger denn je. Vor diesem Hintergrund stellte ELNET gestern im Rahmen eines Parlamentarischen Frühstücks im Deutschen Bundestag den Israel Survey 2025 vor.

Die Langzeiterhebung aggregiert die Antworten von über 1.000 europäischen Abgeordneten aus den Jahren 2022 bis 2025 und zeichnet ein klares Bild der politischen Stimmung vor und nach der Zäsur des 7. Oktober.

Sicherheitspartnerschaft als Anker

Daniela Ludwig MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, hatte die Schirmherrschaft des Fachgesprächs übernommen. In ihrem Impuls schilderte sie aktuelle Eindrücke aus der Zusammenarbeit mit israelischen Partnern. Ihre Botschaft war eindeutig: Israel sieht Deutschland als engen und verlässlichen Verbündeten.

Ein zentrales Thema des Austauschs war, wie die aktuelle Sicherheitskooperationen weiter vertieft werden können. Die Teilnehmer diskutierten unter anderem den Ausbau der Zusammenarbeit in der Cyber-Abwehr sowie einen verstärkten Austausch zwischen den Sicherheitsbehörden beider Länder als ein wichtiges Signal der Solidarität in herausfordernden Zeiten. Einigkeit bestand darin, dass der aktuelle Waffenstillstand in Nahost innenpolitisch nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass die Wachsamkeit gegenüber antisemitischen Tendenzen weiterhin höchste Priorität haben muss.

Kernergebnisse des Israel Survey 2025

Carsten Ovens, CEO des European Leadership Network (ELNET) in Berlin, präsentierte die Studienergebnisse, aus denen sich politische Handlungsaufträge ableiten lassen.

  • Breiter Wunsch nach Vertiefung: Trotz politischer Spannungen sprechen sich 68 Prozent der befragten Abgeordneten für eine intensivere Zusammenarbeit mit Israel aus. Deutschland erweist sich dabei im europäischen Vergleich als treibende Kraft.
  • Paradigmenwechsel in der Kooperation: Der Fokus der gewünschten Zusammenarbeit verschiebt sich von „Soft Power“ hin zu „Hard Security“. 57 Prozent der Befragten priorisieren inzwischen Verteidigung und Terrorismusbekämpfung.
  • Klare Haltung gegenüber der Islamischen Republik Iran: 92 Prozent der Abgeordneten fordern die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) als Terrororganisation.
  • Sicherheitsarchitektur: Erstmals sprechen sich 18 Prozent der Abgeordneten explizit für eine volle NATO-Mitgliedschaft Israels aus. Eine breite Mehrheit befürwortet eine engere Anbindung.

Strategische Einordnung

Der Israel-Experte und Journalist Richard C. Schneider, der auch Mitglied des Beirats von ELNET ist, ordnete die Ergebnisse strategisch ein. Er warnte davor, auf schnelle politische Lösungen im Nahen Osten zu hoffen. Eine Zweistaatenlösung sei kurz- bis mittelfristig angesichts der tiefen Traumata des 7. Oktober kaum realisierbar – unabhängig von der jeweiligen Regierung in Israel. Zudem unterstrich er, dass die Sicherheitsinteressen Europas und Israels heute stärker denn je miteinander verknüpft seien, insbesondere bei Rüstungsfragen sowie im Nachrichtenwesen.

Die Ergebnisse des Israel Survey 2025 zeigen einen stabilen Rückhalt in den europäischen Parlamenten. Nun gilt es, den politischen Willen in konkretes Regierungshandeln zu übersetzen und damit die strategische Partnerschaft langfristig wetterfest zu machen.

Die mobile Version verlassen