Kurz vor dem 78. Unabhängigkeitstag Israels wurden die sogenannten Isaac Accords als bilaterales strategisches Abkommen zwischen Argentinien und Israel unterzeichnet. Die Initiative knüpft an ein bekanntes außenpolitisches Modell an: die Abraham Accords, welche die Beziehungen zwischen Israel sowie mehreren arabischen und muslimischen Staaten normalisiert haben, und in den vergangenen fünf Jahren eine Grundlage bildeten, um diese erfolgreich auf- und auszubauen.
Die Isaac Accords übertragen diesen Ansatz nun auf die Beziehungen zwischen Israel und Staaten der westlichen Hemisphäre. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, sondern deren strategische Weiterentwicklung.
Rahmen für praktische Zusammenarbeit
Die in Jerusalem unterzeichneten Absichtserklärungen schaffen nun einen politischen Rahmen für eine engere Kooperation zwischen Israel und Argentinien. Weitere Länder Lateinamerikas sollen perspektivisch einbezogen werden.
Inhaltlich konzentriert sich die Initiative auf die Bekämpfung von Terrorismus und Drogenhandel, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Innovation und Handel. Auch konkrete Projekte sind bereits Teil der Vereinbarungen, darunter die Schaffung einer direkten Flugverbindung zwischen Buenos Aires und Tel Aviv.
Die Initiative ging von der argentinischen Regierung aus. Präsident Javier Milei hatte sie angestoßen, nachdem er 2025 mit dem Genesis Prize ausgezeichnet wurde, der auch als jüdischer Nobelpreis bezeichnet wird. Er ist der erste nicht-jüdische Preisträger sowie der erste Regierungschef eines Landes, der auf diesem Wege für sein Engagement gewürdigt wurde.
Weiterentwicklung eines bestehenden Ansatzes
Im Unterschied zu den Abraham Accords, die vor allem neue diplomatische Beziehungen ermöglichen, setzen die Isaac Accords auf der Basis bereits bestehender Partnerschaften auf. Der Fokus liegt auf deren Vertiefung und institutioneller Weiterentwicklung.
Die zugrunde liegende Logik ist vergleichbar: Kooperation wird als Instrument verstanden, um Stabilität zu fördern – insbesondere dort, wo wirtschaftliche, technologische und sicherheitspolitische Interessen zusammenfallen.
Noch befindet sich die Initiative in einem frühen Stadium. Ob und wie schnell sich daraus konkrete Projekte entwickeln, wird maßgeblich über ihren Erfolg entscheiden. Im Rahmen der Unterzeichnung wurde vor allem ein Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz gesetzt. Präsident Milei betonte, dass Israel die technologische Kraft und Argentinien das menschliche Kapital sowie die regulatorische Freiheit bieten würde, um das nächste globale KI-Zentrum zu werden.
Weitere Partner in der Region
Neben Argentinien gibt es in Südamerika weitere Staaten mit bereits engen Beziehungen zu Israel. Uruguay hat gemeinsam mit Argentinien bereits 2020 die IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus übernommen und verfügt über stabile politische Beziehungen zu Israel. Der seit 2025 amtierende Präsident gilt als klar israelfreundlich positioniert. Damit steht Yamandú Orsi als linker Politiker für einen grundlegend anderen Kurs als viele seiner Parteifreunde in Europa, wie beispielsweise der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez. Auch Paraguay und Ecuador sind Israel gegenüber aufgeschlossen und unterhalten bereits enge Beziehungen. Ein wichtiges politisches Signal war zudem die Einstufung von Hisbollah und Hamas als Terrororganisationen durch die beiden Staaten.
Auch Chile könnte perspektivisch wieder stärker in den Blick rücken. Die Beziehungen zu Israel sind seit Jahren angespannt und hatten unter der bisherigen Regierung einen Tiefpunkt erreicht. Der jüngste politische Wechsel eröffnet jedoch die Möglichkeit einer schrittweisen Normalisierung und damit auch einer engeren Zusammenarbeit. So hat der neu gewählte Präsident, der deutschstämmige José Antonio Kast die Vorgängerregierung immer wieder für ihre Israel-Politik kritisiert. Politisch wird er dem rechten Lager zugeordnet und gilt als Verbündeter von US-Präsident Trump, Argentiniens Präsident Javier Milei sowie der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni.
Einordnung aus deutscher Perspektive
Im November vergangenen Jahres war Carsten Ovens, CEO von ELNET in Berlin, zu politischen Gesprächen in Argentinien und traf unter anderem Dr. Sabrina Ajmechet, Vorsitzende der argentinisch-israelischen Parlamentariergruppe im Nationalkongress der Argentinischen Republik, sowie die Außenpolitikerin Daiana Fernandez Molero. Im Mittelpunkt standen seinerzeit die Beziehungen mit Israel sowie die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in Buenos Aires.
Die Isaac Accords markieren nun den Beginn eines neuen außenpolitischen Kapitels, dessen konkrete Ausgestaltung noch offen ist. Ihr Erfolg wird davon abhängen, ob es gelingt, aus politischen Absichtserklärungen belastbare Kooperationen zu entwickeln.
Für Europa ergibt sich daraus ein potenzielles neues Feld außenpolitischer Zusammenarbeit. Dabei dürfe Deutschland nicht erneut in die Rolle als Zuschauer verfallen, sondern sollte Mut und Gestaltungswillen zeigen, wie Carsten Ovens in der Jüdischen Allgemeinen betonte. Die Erfahrungen der Abraham Accords zeigen, dass solche strategischen Abkommen langfristig Wirkung entfalten können.
