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60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen: Sicherheit und Innovation im Fokus

Deutsche Delegation mit Mickey Levy, Knesset-Abgeordneter der Oppositionspartei Jesch Atid

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel besuchte Anfang Dezember eine ELNET-Delegation mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages Israel. Ziel der Reise war es, sich vor Ort ein umfassendes Bild der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Lage zu machen und den Austausch mit israelischen Entscheidungsträgern, Experten und institutionellen Partnern zu vertiefen. Das Programm spiegelte die vielschichtigen deutsch-israelischen Beziehungen wider, die gerade in diesen volatilen Zeiten von besonderer Bedeutung sind.

Sicherheitspolitische Lage seit dem 7. Oktober

Ein Schwerpunkt des Programms lag auf der sicherheitspolitischen Situation Israels seit den Terrorangriffen vom 7. Oktober. In Briefings mit hochrangigen Vertretern der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) sowie der Koordinierungsstelle Coordination of Government Activities in the Territories (COGAT) erhielten die Delegation Einblicke in die militärische Lage nach dem Waffenstillstand mit der Hamas, die humanitären Herausforderungen im Gazastreifen und die strategischen Rahmenbedingungen, unter denen Israel operiert.

Besuche betroffener Orte im Süden Israels, darunter das Gelände des Nova Festivals und das Kibbuz Nir Oz, machten die Auswirkungen des Terrorangriffs greifbar. Die Eindrücke unterstrichen die anhaltende Bedrohungslage, mit der die israelische Zivilbevölkerung konfrontiert ist, sowie die zentrale Rolle von Sicherheit in allen gesellschaftlichen und politischen Debatten im Land.

Politischer Austausch in Jerusalem

In Jerusalem führte die Delegation Gespräche mit Mitgliedern der Knesset aus Koalition und Opposition. Unter den Gesprächspartnern waren der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Freundschaftsgruppe MK Mickey Levy, Abgeordneter der Oppositionspartei Jesch Atid, und MK Akram Hasson, Abgeordneter der Koalitionspartei Neue Hoffnung, welcher der drusischen Minderheit angehört und Einblicke in die besondere Situation der Volksgruppe geben konnte. Die Gespräche verdeutlichten die innenpolitischen Kontroversen im Land, machten zugleich aber auch deutlich, dass in zentralen sicherheitspolitischen Fragen ein breiter Konsens besteht.

Briefings im Außenministerium durch Botschafter Yossi Amrani, dem Politischen Direktor des Ministeriums, sowie Gespräche mit Experten sicherheitspolitischer Think Tanks wie dem Institute for National Security Studies (INSS) boten vertiefte Analysen zur regionalen Lage. Im Mittelpunkt standen unter anderem Perspektiven für die Zeit nach den Kampfhandlungen in Gaza, die Rolle Irans und seiner Stellvertreter sowie die Zukunft regionaler Kooperationsformate und der Abraham Accords.

Erinnerung und historische Verantwortung

Ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war ebenfalls zentraler Bestandteil des Programms. Die Auseinandersetzung mit der Shoah und ihrer Bedeutung für das Selbstverständnis des jüdischen Staates setzte die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen in einen historischen Kontext. Gerade im Jubiläumsjahr der deutsch-israelischen Beziehungen wurde hier die besondere historische Verantwortung Deutschlands deutlich, die das bilaterale Verhältnis bis heute prägt und ihm eine einzigartige politische und moralische Dimension verleiht.

Wirtschaft, Innovation und bilaterale Kooperation

Neben sicherheitspolitischen Fragen widmete sich die Delegation auch der wirtschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel. Gespräche mit Vertretern der israelischen Industrie, der Innovationsbehörde sowie des Israel-Europe Research & Development Directorate (ISERD) verdeutlichten die Bedeutung von Forschung, Entwicklung und Hightech für die bilateralen Beziehungen – auch im Kontext von Horizon Europe. Ein Austausch mit Danni Reches von EcoPeace zeigte Wege auf, wie die ökologischen Herausforderungen des Nahen Ostens mit politischen Perspektiven für Frieden und Koexistenz verknüpft werden können.

Der Besuch des auf Drohnentechnologie spezialisierten Unternehmens X-TEND sowie der Tel Nof Air Force Base mit Einblicken in die deutsch-israelische Verteidigungskooperation zeigten, wie eng technologische Innovation, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und sicherheitspolitische Zusammenarbeit miteinander verbunden sind.

Bilaterale Beziehungen in herausfordernden Zeiten

Die Delegationsreise machte deutlich, dass deutsch-israelische Beziehungen weit über symbolische Gesten hinausgehen. Im 60. Jahr der bilateralen Diplomatie sind sie geprägt von enger sicherheitspolitischer Kooperation, intensivem politischem Dialog und vielfältigen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Verflechtungen. Gerade vor dem Hintergrund anhaltender regionaler Spannungen und internationaler Debatten unterstrich die Reise die Bedeutung eines direkten Austauschs zwischen Freunden und Partnern.

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