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Disrupt Defense: Was Deutschland von Israel lernen kann

Am 28. Februar führten die israelischen Streitkräfte die bislang größte Operation ihrer Geschichte durch: Rund 200 Kampfflugzeuge griffen gleichzeitig etwa 500 Ziele im Iran an – der Auftakt der Operation Roaring Lion. Dabei entsprechen 200 Kampfflugzeuge in etwa dem gesamten Bestand an Eurofightern und Tornados der Bundeswehr.

Die militärischen Fähigkeiten Israels, eines Landes mit gerade einmal zehn Millionen Einwohnern, versetzen Sicherheitsexperten weltweit immer wieder ins Staunen, und werfen die Frage auf, worauf die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit der israelischen Streitkräfte (IDF) beruht.

Auf der Sicherheitskonferenz Verteidigung Readiness 2026 – Ramp Up Zeitenwende zeigte ELNET CEO Carsten Ovens Mitte April mit seiner Keynote „Disrupt Defense: Was Deutschland von Israel lernen kann“, wie Israel durch seine konsequente Ausrichtung auf Innovation, Geschwindigkeit und Risikobereitschaft einen nachhaltigen militärischen Vorteil erzielt.

Ovens machte deutlich, dass Israels Innovationskraft untrennbar mit seiner sicherheitspolitischen Lage verbunden ist. Seit seiner Gründung sieht sich das Land einer dauerhaften Bedrohung ausgesetzt. Fehlende strategische Tiefe und lange Zeit begrenzte externe Unterstützung zwangen Israel dazu, eigenständige Lösungen zu entwickeln. Innovation ist daher keine Option, sondern eine existenzielle Notwendigkeit.

Ein zentraler Unterschied zu Deutschland liegt im Umgang mit Risiko. Während hierzulande häufig bestehende Systeme weiterentwickelt werden, setzt Israel bewusst auf radikalere Ansätze und akzeptiert eine höhere Fehlerrate. Zugespitzt formuliert: Wenn alle Projekte erfolgreich sind, war man nicht mutig genug. Programme wie Iron Dome zeigen, wie schnell Innovationen entstehen können, wenn bürokratische Hürden reduziert und Entscheidungen pragmatisch getroffen werden.

Auch der Wehrdienst und das starke Reservistensystem spielen eine Schlüsselrolle. Sie ermöglichen es, Talente früh zu identifizieren, praktisch einzusetzen und die Streitkräfte zudem dauerhaft mit der Wirtschaft zu vernetzen. Ergänzend kommen flache Hierarchien und junge Entscheidungsträger in der IDF hinzu, die schnelle Entscheidungen und Innovationen „von unten“ fördern.

Zum Abschluss resümierte Ovens drei zentrale Lehren aus Israel, die für Deutschland gerade im Kontext der Zeitenwende von besonderer Bedeutung sind:

  1. Nicht die bessere Waffe entscheidet, sondern das bessere Innovationssystem.
  2. Wehrdienst und Reserve müssen als Talentpipeline und Innovationsmotor dienen.
  3. Risikobereitschaft muss politisch, bürokratisch und wirtschaftlich ermöglicht und belohnt werden.

Vor diesem Hintergrund kommt der bereits heute engen deutsch-israelischen Verteidigungskooperation eine Schlüsselrolle zu, die durch German-Israeli Defense Tech Hubs weiter gestärkt werden kann. ELNET bietet mit der ELNET Security and Defense Initiative (ESDI) eine Plattform, um den Austausch zwischen Deutschland und Israel strukturiert und kontinuierlich fortzuführen.

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