Mitte Januar kamen auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) rund 70 Gäste im Städtischen Museum Braunschweig zusammen, um über die Folgen des 7. Oktober 2023 und deren Auswirkungen auf Israel, Deutschland und die deutsch-israelischen Beziehungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt des Abends standen eine Lesung aus dem Buch „Im Morgengrauen“ von Carsten Ovens, CEO des European Leadership Network (ELNET) in Berlin, sowie eine anschließende Podiumsdiskussion mit Carsten Müller MdB.
Zu Beginn begrüßte Dr. Peter Joch, Direktor des Städtischen Museums, die Anwesenden mit einem eindringlichen Grußwort. Er ging dabei auf den in Deutschland spürbar zunehmenden Antisemitismus ein und unterstrich die Verantwortung öffentlicher Institutionen sowie der Gesellschaft insgesamt, diesem klar und sichtbar entgegenzutreten. Seine Worte setzten den inhaltlichen Rahmen für einen Abend, der sich intensiv mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen auseinandersetzte.
In seinen Ausführungen stellte Carsten Ovens zentrale Passagen aus seinem Buch „Im Morgengrauen“ vor, das auf 20 Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen basiert. Dabei schilderte er die Erlebnisse der Nova-Festival-Überlebenden Rafaela Treistman sowie die Berichte von Prof. Dr. Asher Cohen vom Alltag am Campus der Hebrew University während des fortschreitenden Krieges gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen. Ovens hatte den 7. Oktober selbst in Tel Aviv erlebt und Israel seitdem acht Mal besucht. Diese Eindrücke fasst er zusammen und berichtete, wie sehr die Terrorangriffe Israel und seine Gesellschaft bis heute prägen, vor allem aber trotz ihrer Heterogenität (über 20 Prozent der Bevölkerung sind nicht-jüdisch) eher noch enger zusammengeführt haben.
In seinem Vortrag spannte der Autor zudem den Bogen nach Europa. Er verwies darauf, dass laut Israel Survey 2025 rund 75 Prozent der europäischen Abgeordneten Israel-bezogenen Antisemitismus als ein sehr gravierendes Problem einschätzen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es trotz dieses Problembewusstseins noch zu oft an konkretem politischem Handeln mangele. Zwar sei die deutsche Verantwortung gegenüber Israel parteiübergreifend anerkannt, so Ovens, nun müsse es jedoch darum gehen, „vom Wollen ins Machen zu kommen“.

Diese Einschätzung bildete einen zentralen Ausgangspunkt für die anschließende Podiumsdiskussion mit dem Braunschweiger Bundestagsabgeordneten Carsten Müller. Moderiert von der DIG-Vorsitzenden Kerstin Schirbel ging es um die aktuellen Herausforderungen der deutsch-israelischen Beziehungen, insbesondere vor dem Hintergrund des 60. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen im vergangenen Jahr, wie auch die Braunschweiger Zeitung berichtete. Weitere Themen waren der zunehmende Antisemitismus in Europa, politische Gestaltungsmöglichkeiten sowie die Rolle Deutschlands in der Unterstützung Israels nach dem 7. Oktober.
Im Anschluss an die Diskussion nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig der persönliche Bericht, die politische Einordnung und der offene Dialog für das Verständnis der Ereignisse am und seit dem 7. Oktober sind – und dass die Auseinandersetzung mit ihren Folgen auch in Deutschland weiter notwendig bleibt.