European Leadership Network (ELNET)

Delegation von IDF-Offizierinnen besucht Berlin

Während in den meisten Armeen der Welt der Dienst an der Waffe noch immer reine Männersache ist, betrifft er in Israel bereits seit der Staatsgründung 1948 auch Frauen. Damit ist das Land eines der wenigen, die eine Wehrpflicht für Männer und Frauen vorsehen. In Europa findet sich dieses Modell vor allem in Skandinavien. So hat etwa Dänemark 2025 eine Regelung eingeführt, nach der auch Frauen per Los dazu verpflichtet werden können, im Militär zu dienen, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden.

Auch in Deutschland wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine verstärkt über unterschiedliche Formen von Wehrpflicht und -dienst diskutiert. Sollten Frauen in eine allgemeine Wehrpflicht integriert werden, müsste allerdings das Grundgesetz geändert werden, was angesichts der aktuellen Mehrheitsverhältnisse unwahrscheinlich ist. Unabhängig davon verfolgt die Bundeswehr jedoch das Ziel, den Frauenanteil auf mindestens 20 Prozent zu steigern.

In den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) dienen viele Frauen weit über die verpflichtenden 24 Monate hinaus und ist ein Bestandteil ihrer Identität, wie einige der Soldatinnen im Gespräch mit der Berliner Zeitung äußerten. Rund ein Drittel der IDF ist weiblich, in einigen Bereichen liegt der Anteil bei mehr als 50 Prozent. Frauen dienen in allen Bereichen der Armee, seit Kurzem auch in der renommierten Eliteeinheit Sayeret Matkal.

Vor diesem Hintergrund reisten Anfang Juli sechs IDF-Offizierinnen nach Berlin, um mit Politik, Bundeswehr und Medien ins Gespräch zu kommen. Der von ELNET organisierte Austausch umfasste Expertinnen für Luftfahrt, Militärmedizin, Spezialeinsätze, Kommunikation und Public Diplomacy sowie Personal- und Organisationsentwicklung.

Die Offizierinnen trafen Bundestagsabgeordnete und Vertreter des Bundesministeriums der Verteidigung sowie des Bundeskanzleramts. Dabei ging es neben der Frage, wie auch die Bundeswehr den Frauenanteil in ihren Reihen erhöhen kann, um die gesamtgesellschaftliche Resilienz vor dem Hintergrund der Zeitenwende. Die IDF als „People’s Army“, die in vielen Bereichen die israelische Gesellschaft widerspiegelt, trägt einen wichtigen Teil zur beeindruckenden Widerstandsfähigkeit der israelischen Gesellschaft bei, die sich nach dem 7. Oktober mit vielen Herausforderungen konfrontiert sah. In diesem Bereich bietet sich erhebliches Potenzial für eine vertiefte deutsch-israelische Zusammenarbeit. Beim Austausch im Bundesministerium des Innern standen insbesondere zivil-militärische Kooperationen und ihr Beitrag zur Resilienz im Fokus.

Ein Fachgespräch in Kooperation mit Jugendoffizieren der Bundeswehr brachte die Delegation mit Vertretern von weiteren Jugendorganisationen zusammen, die sich in der Wehrdienstdebatte zu Wort gemeldet hatten. Auch Termine mit Einrichtungen der Bundeswehr waren Teil des Delegationsprogramms. Im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften in Potsdam ging es neben der Rolle von Frauen in den Streitkräften auch um den IDF-Einsatz im Südlibanon und den Kampf gegen die Hisbollah.

Beim Zentrum Innere Führung in Strausberg informierte sich die Delegation über die Führungsphilosophie der Bundeswehr, das Bild des „Staatsbürgers in Uniform“ und die internationale Zusammenarbeit mit anderen Streitkräften. Vertreter der Bundeswehr bekundetengroßes Interesse daran, die Zusammenarbeit mit den IDF in der politischen Bildung wieder aufzunehmen und auszubauen.

Den Höhepunkt des Programms bildete ein exklusives Galadinner. Dort erhielten die Offizierinnen die Gelegenheit, ihre Erfahrungen seit dem 7. Oktober mit einem geladenen Publikum zu teilen. Hierbei kam auch die Rolle von arabischen und orthodoxen Minderheiten in der IDF zur Sprache – ein bewegender Moment. Einblicke in die Diskussion gibt ein Interview mit Elly Waveya, der ranghöchsten Muslima in der IDF, welches im Cicero nachzulesen ist.

Alle Offizierinnen haben in unterschiedlichen Einsätzen Verantwortung für sich und andere übernommen und Situationen gemeistert, die für viele Menschen in Deutschland schwer vorstellbar sind. Der Abend trug so dazu bei, das Bewusstsein dafür zu stärken, wie sich die Kriege und Konflikte, in denen Israel seit dem 7. Oktober kämpft, auf die Angehörigen derStreitkräfte auswirken und welche Erkenntnisse Deutschland aus diesen Erfahrungen gewinnen kann.

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